Interessengemeinschaft
zur Förderung
der Zuger Kirsche

Tradition

Oben: Die alte Zuger Chriesigloggä kurz vor dem Einschmelzen, 1902. Die neue Chriesigloggä, 2008. Unten: Der Chriesisturm mit dem Leiterrennen der Kinder und Erwachsenen, 2012.

Seit 1711: Die Zuger Chriesigloggä und der Chriesisturm

Die Bräuche rund ums Chriesi haben in Zug eine lange Tradition. Die Renaissance der hiesigen Kirschenkultur hat dazu geführt, dass heute in Zug und Baar sowie im Aegerital die Glocken wieder läuten und so den Start zur Chriesisaison ankündigen.

Zugs Chriesi-bräuche sind die skurrilsten Kir-schentraditionen der Schweiz!

In der Stadt Zug gibt es die schöne Geschichte der «Chriesigloggä» und des «Chriesisturms», die 1886 als Nacherzählung erschienen ist. In den alten Stadtrats-Protokollen wird die «Grosse Glocke» am 4. Juli 1711 erstmals urkundlich erwähnt, später am 23. Juni 1769 ist von der sogenannten «Erlaubnis-Glocke» die Rede. Sobald die Glocke erklang, rannten die Zuger mit Leitern und Hutten bewaffnet auf die Allmend, wo Hunderte von Kirschbäumen standen, die allen gehörten. Der erste, der seine Leiter an den Baum gestellt hatte, dem gehörten alle Kirschen. Der Brauch mit der Glocke und dem Sturm geriet im 19. Jahrhundert allmählich in Vergessenheit, als die Allmend in Äcker aufgeteilt wurde.

 

Seit 2008 läutet die «Zuger Chriesigloggä», die grösste Glocke der Kirche St. Michael, wieder jedes Jahr und gibt so das Zeichen zum Start der hiesigen Chriesisaison. Und seit 2009 wird nach dem Glockengeläut der «Zuger Chriesisturm» als spektakuläres Rennen durch die Zuger Altstadt ausgetragen. Dabei starten zehn Männer in fünf Zweierteams mit über 8 Meter langen Leitern. Seit 2010 startet auch der «Kindersturm» mit fünf Zweierteams und 4 Meter langen Leitern. Seit 2018 gibt es zudem das «Huttenrennen», bei dem fünf Frauen mit Rückentragkörben teilnehmen.

 

Nacherzählung von 1886 in der Neuen Zuger Zeitung:


Sobald die Kirschen im Frühsommer reif waren, wurde mittags um 12 Uhr die grösste Glocke der Kirche St. Michael eine Viertelstunde lang geläutet. Daraufhin ging der traditionelle «Chriesisturm» los. Alle Zugerinnen und Zuger hatten auf dieses Zeichen hin das Recht, mit Leitern, «Chriesihögglä», Krätten und Rückkörben bewaffnet auf die Allmend zu eilen, um dort selber Kirschen zu pflücken. Ein grosser Teil der Zuger Allmend war mit Kirschbäumen bestückt, die allen Stadtzuger Bürgern gehörten.
 
Schon mehrere Tage zuvor wurde das Erklingen der Kirchenglocke mit Spannung erwartet, und manch einer begann mit dem Mittagessen jeweils bereits um 11 Uhr, um am Mittag parat zu sein. «D’Chriäsiglogggä lüütet, dä Chriäsisturm god lous!» tönte es einmal im Jahr lautstark durch die Gassen der Stadt, und auf der Allmend wurde heftig um die prächtigsten Bäume und süssesten Kirschen gestritten.
 
Das Pflücken von Kirschen vor dem Geläut war strikte verboten, sogar das Laubzusammenrechen unter den Bäumen war bei Strafe untersagt. Die Stadt Zug verpflichtete auf der Allmend eigene «Chriesiwächter», die in den Wochen vor Kirschenreife Tag und Nacht Wache hielten. Kirschendiebe wurden mit Busse belegt oder ins Zytturm-Gefängnis gesperrt. Sogar die Baarer sollen sich 1751 erfrecht und auf der Zuger Allmend verbotenerweise Kirschen gepflückt haben.
 
Die Kirschbäume auf der Allmend und in der Lorzen wurden von den städtischen Baumeistern gepflanzt. Um 1800 teilte man die Zuger Allmend in Äcker ab und die Pflege der Kirschbäume ging nach und nach ein.

Oben: Das Plakat «Zugerland», gestaltet von Martin Peikert, 1938. Das Plakat «Chriesiland», gestal-tet von Ueli Kleeb und Caroline Lötscher, 2011. Unten: Chriesi-ernte im Spitzibüel, um 1930. «Chrieset» im Inkenberg, 1933.

Um 1400: Chriesi und Kirschbäume sind wertvoll 

Blühende Kirschbäume, saftige Kirschen, aromatischer Kirsch und die berühmte Kirschtorte sind die eigentlichen Zuger Wahrzeichen. Bereits ab Mitte des 14. Jahrhunderts wird in der Region Zug der Kirschenanbau erwähnt. 

Die Zuger Kirschenkultur existiert seit rund 600 Jahren!

Das «Chriesi», wie es im Dialekt heisst, ist das einzige Naturprodukt, das so eng und so lange mit dem Namen Zug verbunden ist. Diese Tradition führte zu spezialisiertem Kirschenanbau, kulinarischen Leckerbissen und einzigartigen Volksbräuchen.

 

Die Zuger Kirschenkultur ist nachweislich rund 600 Jahre alt, die Stadtzuger Traditionen (Chriesigloggä, Chriesisturm, Chriesimärt) rund ums Chriesi gelten als älteste Kirschenbräuche der Schweiz. Ab 1870 wird der Zuger Kirsch in die ganze Welt exportiert und festigt so den ausgezeichneten Ruf der Zuger Kirschenprodukte. 1915 kommt die erste Zuger Kirschtorte in den Verkauf und erreicht internationale Anerkennung. 2009 wird mit der Zuger Chriesiwurst eine neue Kirschenspezialität lanciert, die innert kurzer Zeit schweizweit und über die Landesgrenzen hinaus für Furore sorgt.

 

2008 wurde die Zuger Kirschtorte offiziell ins Inventar des kulinarischen Erbes der Schweiz aufgenommen. 2011 wurde der Kirschenanbau im Kanton Zug im Rahmen der UNESCO-Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes offiziell zur lebendigen Tradition der Schweiz erklärt. Seit 2013 sind der Zuger Kirsch und der Rigi Kirsch durch die Ursprungsbezeichnung AOP (Appellation d’Origine Protégée) als Marke geschützt, und seit 2015 ist die Zuger Kirschtorte als IGP (Indication Géografique Protégée) registriert.
 
Die 2008 gegründete IG ZUGER CHRIESI (Interessengemeinschaft zur Förderung der Zuger Kirsche) hat sich zum Ziel gesetzt, rund um Zug 1000 neue Kirschbäume zu pflanzen, das Chriesibrauch-tum zu pflegen, den Chriesimärt zu stärken und die Kirsche wieder zum Wahrzeichen einer ganzen Region zu machen. Die Bemühungen der Zuger Chriesiaktivisten sind von Erfolg gekrönt, 1000 neue Hochstamm-Kirschbäume sind gepflanzt und der Verein kann heute auf über 1000 Unterstützer zählen.

Oben: Alte Darstellung einer Chriesiverkäuferin auf dem Markt in Zürich, 1748–1751. Älteste Darstellung des Kirschenmarktes an der Grabenstrasse in Zug, 1844–1870. Mitte: Mobile Chriesi-verkäuferin an der Axenstrasse zwischen Schwyz und Uri, um 1920. Unten: Das Plakat «Jetzt Kirschen essen», um 1930. Papier-sack der Märtfahrer mit Slogan «Esst Zuger Kirschen», um 1920.

Seit 1627: Der Zuger Chriesimärt

Der Zuger Chriesimärt wird 1627 erstmals urkundlich erwähnt und gilt damit als ältester Kirschenmarkt der Schweiz. Der Markt der regionalen Chriesibauern wird bis heute jedes Jahr während einiger Wochen an Werktagen in der Zuger Altstadt durchgeführt.

Der Zuger Chriesi-märt ist der
älteste Schweizer Kirschenmarkt!

Eine beliebte Tradition ist der «Zuger Chriesimärt», bei dem die Bauern jeden Frühsommer ihre frischge-pflückten Kirschen feilbieten.

Der Markt findet je nach Kirschenreife jeweils ab Mitte/Ende Juni während zwei bis drei Wochen, von Montag bis Freitag, von 15 bis 18 Uhr, auf dem Zuger Landsgemeindeplatz statt.

 

Der Beginn der Zuger Chriesisaison wird am gemeinsam vereinbarten Starttag mittags um 12 Uhr durch die legendäre «Zuger Chriesigloggä» angekündigt und mit dem «Zuger Chriesisturm» in Form eines Leiterrennens durch die Altstadt eröffnet.

 

Gleichtags beginnt um 15 Uhr der «Zuger Chriesimärt». Chriesibäuerinnen und Chriesibauern aus der Region Zug bieten verschie-dene Sorten plückfrischer Tafelchriesi und weitere Chriesispezialitäten an. Die saisonale Nachfrage nach Früchten aus der Region Zug ist je nach Witterung grösser als das Angebot.

Oben: Traditionelles Kirsch-brennen in der Stadt Zug, 1918–1931. Mitte: Älteste erhalten gebliebene Flasche der «Kirsch-wasser-Gesellschaft in Zug», 1895. Unten: Kirschbrennerei mit Holzfeuerung, 1900-1950.

Seit 1870: Das Zuger Kirschwasser

Das Kirschbrennen in Zug wird 1626 erstmals urkundlich erwähnt. Und das Zuger Kirschwasser genoss bereits im 18. Jahrhundert über die Landesgrenzen hinaus einen guten Ruf. Das Zugerland war bekannt für seine blühenden Kirschbäume und seine süssen Brennchriesi.

Das Zuger Kirsch-wasser ist das Kernprodukt der Kirschenkultur!

1870 schlossen sich die Chriesibauern und Kirsch-brenner zusammen und gründeten die «Kirschwasser-Gesellschaft in Zug», um die Qualität des Kirschs zu verbessern und den Export anzukurbeln. Die mit unzähligen internationalen Auszeichnungen und Goldmedaillen prämierte Vereinigung unterhielt um 1900 eigene Depots und Agenturen in Europa, Russland, Kleinasien, Nord- und Südamerika sowie in der Karibik. Sogar auf Kuba wurde Zuger Kirsch verkauft.

 

In der Folge etablierten sich die zahlreichen Haus- und Gewerbebrennereien rund um den Zugersee, die Nachfrage nach Kirsch wuchs weiter an. Der Zuger Kirsch ist heute weltberühmt und bildet das Kernprodukt der 600-jährigen Zuger Kirschenkultur.

Oben: Die Conditorei von Kirsch-torten-Erfinder Heiri Höhn an der Alpenstrasse 7 in Zug, 1914–1915. Mitte: Älteste erhalten gebliebene Kirschtorten-Verpackung von Höhn, ab 1923. Unten: Die Zuger Kirschtorte wird von Hand hergestellt, um 1930.

Seit 1915: Die Zuger Kirschtorte

Die Zuger Kirschtorte wurde 1915 von Heiri Höhn im Zuger Neustadt-Quar-tier erfunden. Inspiriert wurde der Konditor durch die unmittelbare Nach-barschaft zu bekannten Zuger Kirschbrennereien.

Die Zuger Kirsch-torte ist ein wichtiges Stück Zuger Kulturgut!

Höhn liess die Torte schützen und gewann in der Folge unzählige nationale und internationale Aus-zeichnungen und Goldmedaillen. 1943 wurde der Betrieb von der Familie Treichler übernommen, welche die Firma 2004 an die «Treichler Zuger Kirschtorten AG» weitergab.

 

Hollywood-Schauspielerin Audrey Hepburn, Komiker Charlie Chaplin, der Fürst von Liechtenstein, General Henri Guisan oder der britische Premier Winston Churchill gehörten zu den Geniessern der Zuger Chriesiwassertorte. In den Vatikan werden regelmässig Torten verschickt, die für das katholische Oberhaupt bestimmt sind. Papst Franziskus ist ein erklärter Fan des Kirschgebäcks.

 

Die Zuger Kirschtorte gehört seit 2008 zum «kulinarischen Erbe der Schweiz» und ist ein wichtiges Stück Zuger Kulturgut. Zehn Produzenten haben sich 2010 zur Zuger Kirschtorten Gesellschaft formiert und stellen die berühmte Torte im Kanton Zug und von Hand her.

Oben: Der «turcken bunt von kirschen», das älteste bekannte Chriesirezept aus einer Baarer Rezeptsammlung, 1750–1800. Das nachgekochte Rezept «Türken-bund von Kirschen», 2010. Unten: Spruchteller «Unser täglich Brod gieb uns heute», um 1900. Büchlein «Einmachen, leicht gemacht», 1945.

1750 bis 1800: Die ältesten Zuger Chriesirezepte

Die ältesten überlieferten Kirschenrezepte stammen aus einer Baarer Rezept-sammlung und gehen bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück. Eines davon ist die «kirschwas-ser gräme», das andere der sogenannte «turcken bunt von kirschen».

Das Kochen und Backen mit Kirschen hat im Zugerland eine lange Tradition!

Der «Türkenbund von Kirschen» bezeichnet einen Kirschenauflauf mit Hartweizengriess, vergleichbar mit der französischen «clafoutis aux cerises», einem Auflauf mit Kirschen, Eiern, Kirsch und Butter.

 

Das Rezeptbuch gehörte einer unbekannten, wohl männlichen Person aus Baar, die viel in der Eidgenossenschaft, aber auch im Ausland unterwegs war, dort Speisen kennenlernte und aufschrieb.

 

Kochen Sie das historische Rezept selber nach: Türkenbund von Kirschen

Die Kirschensorte Kordia ist eine der beliebtesten Schweizer Tafelchriesi. (Illustration: Jasmin Huber Baumnann)

Roti, schwarzi, gibeligäli...

Kirsche ist nicht gleich Kirsche. In der Schweiz existieren rund 350 verschiedene Chriesi-sorten. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Farben und Formen. Unter-schieden wird zwischen Brennchriesi, Konserven-chriesi und Tafelchriesi.

In der Region
Zug-Rigi gedeihen rund 350 Chriesisorten!

Diese 63 Chriesisorten sind als typische Brennkirschen der Region Zug-Rigi definiert: Aemli, Baschimeiri, Basler Langstieler, Benja-minler, Betty, Bischofswiler, Blaser, Buholzer, Burli, Didi, Dolleseppler, Frühe Schwy-zer, Frühe Luxburger, Frühe von der Weid, Gangkirsche, Geissmättler, Güpfer, Helener, Hofkirsche, Horütikirsche, Immenseer, Inkenberger, Kapuziner,
Kembergkirsche, Knonauer, Kronenhöfler, Kusterhof-kirsche, Labächler, Lauerzer = Rigikirsche, Märchler, Mischler, Notiker, Nummere-chriesi, Pilatuskirsche, Redingkirsche, Rigikirsche = Lauerzer Röllin, Rote Lauber, Rote Spitzibüeler, Rote Thaler, Sauerkirschen, Sattler, Schattenmorelle, Schindler, Schwarze Spitzibüeler, Schwarze Thaler, Schwyzer Langstieler, Schwyzer Rebenkirsche, Seewer, St. Verenakirsche, Steiner, Traubenkirsche, Trubiker, Truppler, Vowi, Walchwiler, Webers Sämling, Weggiser, Weinrebenkirsche, Weissbüchler, Wildkirschen, Wölflisteiner, Zopfkirsche, Zuger Rotstieler.

 

Erfahren Sie mehr über Chriesisorten im Standardwerk zur hiesigen Kirschenkultur: www.chriesi.ch

Anmeldung Mitglied

Ja, ich möchte die Zuger Kirschenkultur unterstützen und Mitglied bei der IG ZUGER CHRIESI werden. Ich zahle einen jährlichen Mitgliederbeitrag von 55 CHF und werde zu den Veranstaltungen der IG ZUGER CHRIESI eingeladen.

 

Anmeldung Gönner/Sponsor

Ja, ich möchte die Zuger Kirschenkultur unterstützen und Gönner (leistet jährlich wiederkehrende finanzielle Beiträge und erhält automatische eine Rechnung) oder Sponsor (leistet einen einmaligen finanziellen Beitrag oder kostenlose Sach- oder Dienstleistungen pro Jahr) werden. Ich leiste einen Mindestbetrag von 111 CHF und werde zu den Veranstaltungen der IG ZUGER CHRIESI eingeladen. Auf Wunsch werde ich als Gönner oder Sponsor in den Publikationen und auf der Website der IG ZUGER CHRIESI genannt und verlinkt.

 

Anmeldung Gönner (wiederkehrend)
Anmeldung Sponsor (einmalig)

 

Auf Wunsch werde ich als Gönner oder Sponsor in den Publikationen und auf der Website der IG ZUGER CHRIESI genannt und verlinkt.

 

Nennung als Gönner oder Sponsor
Anmeldung Helfer

Ja, ich möchte die Zuger Kirschenkultur unterstützen und mein Interesse als freiwilliger Helfer für das alljährlich stattfindende Chriesisturm-Fest (immer an einem Montag, Ende Juni, abhängig von der Kirschenreife) bekunden. Das konkrete Aufgebot mit der definitiven Anmeldung erfolgt erst etwa einen Monat vor der Veranstaltung.