ZUGER CHRIESI: 1000 Kirschbäume für Zug

Tradition und Brauchtum seit 1711:

Zuger Chriesigloggä / Chriesisturm

Testbild

Die alte Kirche St. Michael Zug mit Glockenturm von 1895 (Foto: Archiv Denkmalpflege des Kantons Zug).

Die demontierten Glocken der alten Pfarrkirche St. Michael Zug von 1902, die grösste rechts war die «Chriesigloggä». Die eisernen Klangkörper wurden bei der Glockengiesserei Rüetschi in Aarau eingeschmolzen und daraus die neuen Glocken für die heutige Kirche St. Michael gegossen. (Foto: Archiv Katholische Kirchgemeinde Zug).

Erstmals seit rund 200 Jahren, am Montag, 30.06.08, von 12.00 bis 12.15 Uhr, läutete sie wieder, die «Zuger Chriesigloggä», die grösste Glocke der Kirche St. Michael Zug (Foto: Ueli Kleeb, Zug).

Ein Band der historischen Zuger Stadtratsprotokolle, in dem die «Grosse Glocke» am 04.07.1711 erstmals urkundlich erwähnt wird (Foto: Ueli Kleeb, Zug).

Nacherzählung des «Zuger Chriesisturms» in der Neuen Zuger Zeitung vom 10.07.1886, Nr. 55, Seite 4 (Zeitung: Archiv Bibliothek Zug).

Erstmals wieder seit rund 200 Jahren, am Montag, 22.06.09, um Punkt 12.00 Uhr startete der Zuger Chriesisturm, das legendäre Leiterrennen durch die Zuger Altstadt. Der tückische Parcours mit den 8.10 m langen Holzleitern wurde von fünf Teams bestritten und im Anschluss mit dem Chriesisturm-Essen auf dem Landgemeindeplatz gefeiert (Fotos: Zita Schlumpf/Martin Rittmeyer, Baar).

Und am Montag, 28.06.10, im Anschluss an das Rennen der Erwachsenen, startete erstmals der Zuger Kindersturm auf verkürztem Parcours durch die Zuger Altstadt. Die Schüler der 5. und 6. Primarklasse des Schulhauses Kirchmatt bauten im Werkunterricht Chriesileitern von 4 Meter Länge (Fotos: Christof Borner-Keller, Baden AG).

.............................................................................................................................

Die «Zuger Chriesigloggä» und
der «Zuger Chriesisturm»

 

In der Stadt Zug gibt es die schöne Geschichte der «Chriesigloggä» und des «Chriesisturms», die 1886 als Nacherzählung in der «Neuen Zuger Zeitung» erschienen ist. In den Stadtratsprotokollen des 17./18. Jahrhunderts wird die «Grosse Glocke» am 4. Juli 1711 erstmals urkundlich erwähnt, später am 23. Juni 1769 ist von der so genannten «Erlaubnis-Glocke» die Rede. Der Brauch geht wahrscheinlich zurück bis ins 17. Jahrhundert, geriet aber im 20. Jahrhundert in Vergessenheit, vermutlich in Zusammenhang mit dem Schwinden der Kirschbäume in der Region Zug. Seit 2008 läutet die «Zuger Chriesigloggä» wieder jedes Jahr und gibt so das Zeichen zum Start der hiesigen Chriesisaison. Und seit 2009 wird nach dem Läuten der Brauch des «Zuger Chriesisturms» als spektakuläres Leiterrennen durch die Zuger Altstadt ausgetragen.»

 

Sobald die Kirschen im Frühsommer reif waren, wurde mittags um 12 Uhr die grösste Glocke der Kirche St. Michael eine Viertelstunde lang geläutet. Daraufhin ging der traditionelle «Chriesisturm» los. Alle Zugerinnen und Zuger hatten auf dieses Zeichen hin das Recht, mit Leitern, «Chriesihögglä», Krätten und Rückkörben bewaffnet auf die Allmend zu eilen, um dort selber Kirschen zu pflücken. Ein grosser Teil der Zuger Allmend war mit Kirschbäumen bestückt, die allen Stadtzuger Bürgern gehörten.

 

Schon mehrere Tage zuvor wurde das Erklingen der Kirchenglocke mit Spannung erwartet, und manch einer begann mit dem Mittagessen jeweils bereits um 11 Uhr, um am Mittag parat zu sein. «D’Chriäsiglogggä lüütet, dä Chriäsisturm god lous!» tönte es einmal im Jahr lautstark durch die Gassen der Stadt, und auf der Allmend wurde heftig um die prächtigsten Bäume und süssesten Kirschen gestritten.

 

Das Pflücken von Kirschen vor dem Geläut war strikte verboten, sogar das Laubzusammenrechen unter den Bäumen war bei Strafe untersagt. Die Stadt Zug verpflichtete auf der Allmend eigene «Chriesiwächter», die in den Wochen vor Kirschenreife Tag und Nacht Wache hielten. Kirschendiebe wurden mit Busse belegt oder ins Zytturm-Gefängnis gesperrt. Sogar die Baarer sollen sich 1751 erfrecht und auf der Zuger Allmend verbotenerweise Kirschen gepflückt haben.

 

Die Kirschbäume auf der Allmend und in der Lorzen wurden von den städtischen Baumeistern gepflanzt. Um 1800 teilte man die Zuger Allmend in Äcker ab und die Pflege der Kirschbäume ging nach und nach ein.

.............................................................................................................................

Am Montag, 30. Juni 2008, erklang die «Zuger Chriesigloggä» nach langem Unterbruch erstmals wieder: Anlässlich der Eröffnung des «Zuger Chriesimärts» auf dem Landsgemeindeplatz wurde mittags die grösste Glocke der Kirche St. Michael eine Viertelstunde lang geläutet. Als Zeichen für den Start der alljährlichen Zuger Chriesiernte. Das Projekt der «1000 Kirschbäume für Zug» nimmt dabei Bezug auf die damaligen, mehreren hundert Chriesibäume auf der Allmend, die der Zuger Bevölkerung gehörten.

.............................................................................................................................

Und am Starttag der Zuger Chriesisaison 2009, am Montag, 22. Juni 2009, kam es nach rund 200 Jahren zur Neuauflage des legendären «Zuger Chriesisturms»: Mittags um 12 Uhr, beim ersten Schlag der Kirschenglocke, starteten fünf Zweierteams ein Rennen durch die Zuger Altstadt. Bewaffnet waren sie mit originalen, 8.10 Meter (30 Sprossen) langen Innerschweizer Chriesileitern aus Holz. Gastgemeinde war Baar. Den Gewinnern gebührte Ruhm und Ehre, das Verliererteam jedoch tritt seinen Startplatz fürs nächste Jahr an ein neues Team ab. Im Anschluss an den Sturm fand auf dem Landsgemeindeplatz ab 12.30 Uhr das Chriesisturm-Essen mit rassiger Chriesiwurst und süssem Chriesisturm statt, zu dem alle Zuger Chriesifreundinnen und Chriesifreunde eingeladen waren. Später begann gleichenorts der traditionelle «Zuger Chriesimärt», der mehrere Wochen dauert und jeweils von Montag bis Freitag von 15 bis 18 Uhr stattfindet.

.............................................................................................................................

Und am Starttag der Zuger Chriesisaison 2010, am Montag, 28. Juni 2010, startete im Anschluss an das Rennen der Erwachsenen erstmals der «Zuger Kindersturm» auf verkürztem Parcours durch die Zuger Altstadt. Die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Primarklasse des Schulhauses Kirchmatt bauten im Werkunterricht unter fachkundiger Anleitung Chriesileitern von 4 Meter Länge.

.............................................................................................................................

Anmeldungen für das Chriesisturm-Leiterrennen werden bei der IG ZUGER CHRIESI jederzeit entgegengenommen. Insgesamt sind pro Jahr 5 Erwachsenen-Zweierteams am Start zugelassen. Das letztplatzierte Team wird im kommenden Jahr durch ein neues ersetzt. Die Rennleitung lädt zudem jedes Jahr ein neues Gastteam ein. Die Renn-Teilnehmer sollen echte Vertreter von Gruppierungen, Vereinen, Institutionen oder Branchen etc. sein, die Team-Bezeichnungen müssen schlüssig und verständlich sein. Die Team-Zusammensetzung kann bei Bedarf durch andere Teilnehmer derselben Gruppierung verändert werden. Der Chriesisturm ist ein Rennen mit sportlichen Ambitionen, Werbeauftritte oder dergleichen sind untersagt. Beim Kindersturm werden durch die Rennleitung jedes Jahr 5 Kinder-Zweiterteams aus einem anderen Zuger Schulhaus berücksichtigt.

.............................................................................................................................

Sämtliche Inhalte (Texte und Bilder) dieser Website sind urheberrechtlich geschützt, 2008 © Ueli Kleeb/IG ZUGER CHRIESI.

.............................................................................................................................

> Seitenanfang
> Seite drucken
> Fenster schliessen

.............................................................................................................................