ZUGER CHRIESI: 1000 Kirschbäume für Zug

Tradition und Brauchtum seit 1870:

Zuger Kirsch

Steinwappen mit Kirschzweigen der 1870 gegründeten Aktiengesellschaft «Kirschwasser-Gesellschaft in Zug» beim Reformierten Kirchenzentrum an der Chamerstrasse 6 in Zug (Foto: Pascale Guignard, Zürich).

Testbild

Statuten der am 29. Wintermonat (November) 1870 gegründeten «Kirschwasser-Gesellschaft in Zug» (Statuten: Archiv Bibliothek Zug).

Inserat der «Societé pour la Destillation du Kirsch à Zoug» mit Hinweisen auf internationalen Export und Ausstellungen in Chicago 1893 und Paris 1900 (Inserat: Archiv Bibliothek Zug).

«Paul Etter Söhne, Destillation Zuger Kirsch, gegr. 1870», Magazin- und Kellerneubau mit Brennerei, erbaut 1926 durch die Zuger Architekten Keiser-Bracher an der Baarerstrasse 37 in Zug, um 1970 (Foto: Archiv Distillerie Etter Söhne AG, Zug).

Zuger-Kirsch-Destillation in der Brennerei Paul Etter Söhne, Anfang 20. Jahrhundert (Foto: Archiv Denkmalpflege Kanton Zug).

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Der «Zuger Kirsch»

 

Der Zuger Kirsch genoss bereits im 18. Jahrhundert über die Landesgrenzen hinaus einen guten Ruf, das Zugerland war bekannt für seine blühenden Kirschbäume. 1870 schlossen sich die Chriesibauern und Kirschbrenner zusammen und gründeten die «Kirschwasser-Gesellschaft in Zug», um die Qualität des Kirschs zu verbessern und den Export anzukurbeln. Die mit unzähligen internationalen Auszeichnungen und Goldmedaillen prämierte Vereinigung unterhielt um 1900 eigene Depots und Agenturen in Europa, Russland, Kleinasien, Nord- und Südamerika sowie in der Karibik. In der Folge etablierten sich die zahlreichen Haus- und Gewerbebrennereien rund um den Zugersee, die Nachfrage nach Kirsch wuchs weiter an. Der Zuger Kirsch ist heute weltberühmt und bildet das Kernprodukt der 400-jährigen Zuger Kirschenkultur.

 

Das Kirschwasser aus dem Zugerland war bereits im 18. Jahrhundert bekannt, Zuger Reisläufer in französischen Diensten hatten den Kirsch in die feine Pariser Gesellschaft eingeführt. Für seine blühenden Kirschbäume war die Region rund um den Zugersee berühmt, viele Walchwiler Bauern unterhielten eigene Baumschulen und belieferten die gesamte Innerschweiz mit jungen Obstbäumen. Im Zuge der Industrialisierung und des zunehmenden Imports von billigen Obstbranntweinen aus ganz Europa geriet das Zuger Kirschwasser immer mehr unter Druck.

 

1870 wurde auf Initiative des «kantonalen landwirtschaftlichen Vereins von Zug» die «Kirschwasser-Gesellschaft in Zug» gegründet. Zur neuen Aktiengesellschaft schlossen sich 116 Landwirte und Gutsbesitzer aus dem Kanton Zug mit dem Ziel zusammen, die Qualität des Zuger Kirschwassers zu steigern, Fälschungen zu vermeiden und den weltweiten Export zu fördern. Zu diesem Zweck unterhielt die genossenschaftliche Vereinigung um 1900 über 20 Depots und Agenturen in Europa, Russland, Kleinasien, Nord- und Südamerika sowie in der Karibik und sandte Vertreter aus, die bei Gastronomiebetrieben und Verkaufsläden mit Gratis-Mustern für den Zuger Kirsch warben.

 

1872 errichtete die Kirschwasser-Gesellschaft an der Chamerstrasse 6 im Stadtzuger Neustadtquartier ein repräsentatives Gebäude mit einer Lagerkapazität von 500 Tonnen Brennkirschen und betrieb dort eigene, dampfbetriebene Destillationsapparate, die von Carl Georg Siemens in Stuttgart hergestellt wurden. Zum unabhängigen Kontrollexperten wurde der Zuger Kantonsschullehrer und renommierte Aargauer Chemieprofessor Friedrich Christoph Mühlberg, der spätere Lehrer von Albert Einstein, bestimmt.

 

Nicht zuletzt durch die verbesserten Strassen- und Schiffsverbindungen sowie die 1864 eröffnete neue Eisenbahnverbindung von Zürich nach Luzern mit dem gleichzeitig gebauten Zuger Kopfbahnhof an der Kreuzung Alpenstrasse/Bundesstrasse erlangte das Kirschwasser aus dem Kanton Zug weltweite Verbreitung. Zur Kundschaft gehörten ab 1875 auch die Rigi-Touristen, die bei der neuen Zuger Schifflände am Alpenquai in unmittelbarer Nachbarschaft das Kursschiff nach Arth bestiegen. An internationalen Ausstellungen in London, Wien und Weinfelden 1873, Philadelphia 1876, Paris 1878 und 1900, Zürich 1883, Chicago 1893, Genf 1896 und Brüssel 1897 gewann der begehrte Zuger Kirsch höchste Auszeichnungen, an der Schweizerischen Landesausstellung in Bern errang die Gesellschaft 1914 die Goldmedaille. Die Bekanntheit und der gute Ruf des Zuger Kirschwassers konnten innert eines halben Jahrzehnts markant gesteigert werden. Im «Illustrirten Führer Zug» schwärmte man 1885: «Das zugerische Kirschwasser ist nicht nur an allen europäischen Höfen geschätzt, sondern geht auch in die fernsten Welttheile und darf nirgends fehlen, wo der duftende Mokka in chinesischen Schalen aufgetischt wird. So begegnen sich in der zierlichen Tasse des Ostens die Wohlgerüche Arabiens und der feurige Geist der Zugerbergkirschen. Gedörrtes Obst und feines Tafelobst geht in die näher liegenden Länder. Die Bienenzucht steht auf hoher Stufe. Zug ist das gesegnete Land wo Milch und Honig fliesst.»

 

Es darf angenommen werden, dass Heiri Höhn, der nur 200 Meter entfernt an der Alpenstrasse 7 in unmittelbarer Nachbarschaft 1915 die Zuger Kirschtorte erfand, durch die Aktivitäten der Kirschwasser-Gesellschaft und die leichte Verfügbarkeit einer einmaligen Vielfalt an aromatischen Kirschwassern in der Region Zug inspiriert wurde.

 

1919 wurde das Gebäude der «Kirschwasser-Gesellschaft in Zug» samt Umschwung an die Protestantische Kirchgemeinde verkauft, die es in der Folge als Pfarrhaus und «Mädchen-Oberschule» nutzte. 1932 wurden die Aktivitäten der Kirschwasser-Gesellschaft eingestellt. Zahlreiche Haus- und Gewerbebrennereien hatten sich anfangs des 20. Jahrhunderts im Kanton Zug etabliert, das Geschäft florierte, die Nachfrage nach köstlichem Zuger Kirsch wuchs bis in die 1950er Jahre weiter an. 2010 wurde der ehemalige Sitz der Kirschwasser-Gesellschaft abgerissen und an seiner Stelle 2012 das Reformierte Kirchenzentrum des Kantons Zug errichtet. Das an der Chamerstrasse 6 angebrachte Steinwappen mit Kirschzweigen erinnert als historisches Überbleibsel an die goldene Zeit, als der Zuger Kirsch weltweiten Ruhm erlangte.

 

Das Nachfolge-Unternehmen der Kirschwasser-Gesellschaft existiert heute unter dem Namen KIWAG und ist bei der «Etter Söhne AG Distillerie» in Zug domiziliert.

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Der «Zuger Kirsch» ist weltweit in über 20 Ländern erhältlich und erlebt seit einiger Zeit eine kulinarische Renaissance. Nicht nur in der Zuger Gesellschaft gilt es als chic, stets einige Kirschflaschen vorrätig zu haben und mit Kirschwasser anzustossen. Bei den traditionellen Mittagessen, die der Kantonsrat an Sitzungstagen gemeinsam einnimmt, wird der «Zuger Kirsch» im Gegensatz zu anderen Destillaten vom Kanton spendiert, weil es ein Stück «Zuger Kulturgut» ist.

 

Einige gewerbliche Destillerien und zahlreiche bäuerliche Brennereien stellen in der Region Zug heute pro Jahr rund 50'000 Liter «Zuger Kirsch» (Alkoholgehalt 42%) her. Alleine für die «Zuger Kirschtorten» werden jährlich schätzungsweise 15'000 Liter benötigt. Als Besonderheit werden die hochprozentigen Fruchtbrände in Korbflaschen auf den Estrichs von Bauernhäusern gelagert, wo sich der saisonale Temperaturunterschied günstig auf die Reifung auswirkt. So entstehen typische Geschmacksnuancen wie «Süsse», «Nuss», «Marzipan» oder «Würze». Zuger Brenner produzieren sortenreinen Kirsch oder Assemblagen aus verschiedener Brennkirschensorten mit unterschiedlichen Jahrgängen, die regelmässig mit Höchstnoten prämiert und mit Medaillen ausgezeichnet werden.

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Gewerbliche Destillerie

Franz und Claudia Boog

Kemmatten 2

6333 Hünenberg See

041 780 50 66

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Gewerbliche Destillerie

Etter Söhne AG Distillerie

Chollerstrasse 4

6300 Zug

041 748 51 51

www.etter-distillerie.ch

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Gewerbliche Destillerie

Thomas und Cordula Heiner

Fuchsloch 18

6317 Oberwil/ZG

041 710 25 28

www.heiners-destillate.ch

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Gewerbliche Destillerie

Werner Hürlimann-Henggeler

Eichhofweg 4

6318 Walchwil

041 758 11 63

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Gewerbliche Destillerie

Keiser Kirsch

Griselda Keiser

Freudenberg

6317 Oberwil/ZG

079 747 32 05

www.zugerkirsch.ch

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Gewerbliche Destillerie

Weiss zum Erlenbach AG

Riedstrasse 10

6330 Cham

041 741 88 88

www.weiss-getraenke.ch

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Bäuerliche Brennerei

Urban und Luzia Baumgartner-Iten

Hünenbergstrasse 73

6333 Hünenberg See

041 780 13 30

www.frisch-vom-hof.ch

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Bäuerliche Brennerei

Joe und Susi Heggli-Dillier

Schönegg 1

6343 Rotkreuz

041 790 55 40

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Bäuerliche Brennerei

Bruno und Lisbeth Herrmann-Vogel

Deinikon 7

6340 Baar

041 761 09 55

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Bäuerliche Brennerei

Christian und Beatrice Horat-Grob

Klosterhofstrasse 6

6300 Zug

041 711 05 24

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Bäuerliche Brennerei

Hermann und Bernadette Hotz-Mathis

Deinikon 9/11

6340 Baar

041 766 16 00

www.hofmaercht.ch

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Bäuerliche Brennerei

Toni Hüsler-Küng

Augasse

6312 Steinhausen

041 741 66 84

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Bäuerliche Brennerei

Roger Iten

Letzi 3

6300 Zug

041 741 49 83

www.iten-letzi-zug.ch

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Bäuerliche Brennerei

Lohnbrennerei Keiser GmbH

Arnold Keiser-Moos

Neunotikon 1

6340 Baar

079 313 27 94

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Bäuerliche Brennerei

Kloster Frauenthal

Frauenthal

6332 Hagendorn

041 780 10 55

www.frauenthal.ch

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Bäuerliche Brennerei

Xaver Moos

Rüschenhof 3

6300 Zug

041 910 06 21

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Bäuerliche Brennerei

Josef Murer

Inkenberg

6340 Baar

041 710 20 23

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Bäuerliche Brennerei

Paul Murer-Knecht

Unterinkenberg

6340 Baar

041 711 18 42

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Bäuerliche Brennerei

Beat und Claudia Röllin-Büsser

Rain

6340 Baar

041 761 13 62

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Bäuerliche Brennerei

Hermann und Armin Röllin

Notikon

6340 Baar

041 761 11 59

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Bäuerliche Brennerei

Franz Rüttimann-Gretener

Hünenbergstrasse 76

6330 Cham

041 780 27 49

www.enikerhof.ch

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Gewerbliche Destillerie, Kanton Schwyz

Arnold Dettling AG

Olympstrasse 10

6440 Brunnen/SZ

041 820 24 24

www.dettling.ch

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Gewerbliche Destillerie, Kanton Schwyz

S. Fassbind AG

Poststrasse 7

6414 Oberarth/SZ

041 859 04 00

www.fassbind.ch

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- Kulinarisches Erbe der Schweiz, www.kulinarischeserbe.ch

- Schweizerische Vereinigung der AOC-IGP,

www.aoc-igp.ch

- BAK Bundesamt für Kultur, UNESCO-Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes, www.bak.admin.ch

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